Metallrecycling ist die Rückführung von Metall aus einem Produkt, das seine Lebensdauer beendet hat, zurück in die Produktion. Das klingt wie jeder andere Abfallkreislauf, doch Metalle haben eine Eigenschaft, die die gesamte Ökonomie dieses Prozesses verändert: das Einschmelzen nimmt ihnen ihre Eigenschaften nicht. Papier verliert mit jedem Zyklus an Faserlänge, die meisten Kunststoffe steigen in immer einfachere Anwendungen ab. Kupfer ist nach dem Einschmelzen schlicht Kupfer.
Dieser Artikel ist eine Einführung. Er zeigt, was mit dem Material von dem Moment an geschieht, in dem es nicht mehr gebraucht wird, bis zu dem Moment, in dem es in die Produktion zurückkehrt — und wo auf diesem Weg sein Wert entsteht oder verloren geht.
Warum Metalle im Recycling ein Sonderfall sind
Drei Dinge unterscheiden Metalle von anderen Stoffströmen.
Keine Degradation. Eine korrekt eingeschmolzene Legierung hat dieselben Kennwerte wie vor dem Gebrauch. Es gibt hier keine „geringere Recyclingqualität" — es gibt eine Sorte, die der Norm entspricht oder eben nicht.
Ein sehr großer Energieunterschied. Die Gewinnung von Metall aus Erz sind hüttentechnische Prozesse mit enormem Energiebedarf. Das Einschmelzen von fertigem Metall erfordert ungleich weniger — bei Aluminium nennen Branchendaten üblicherweise eine Größenordnung von wenigen Prozent der Energie, die für die Herstellung aus Bauxit nötig ist. Genau dieser Unterschied macht Schrott nicht zu einem zu entsorgenden Abfall, sondern zu einem Rohstoff, um den Abnehmer konkurrieren.
Ein eigener Marktwert. Metall hat einen Referenzpreis an den Warenbörsen. Das Material kehrt also nicht deshalb in den Kreislauf zurück, weil jemand seine Erfassung angeordnet hat, sondern weil sich die Erfassung lohnt. Das unterscheidet diesen Kreislauf von Strömen, die sich allein durch Regulierung tragen.
Der Weg des Materials: fünf Stufen
1. Entstehung und Erfassung
Schrott entsteht an zwei Stellen. Produktionsschrott — Verschnitt, Späne, Stanzabfall, Ausschuss — ist planbar und meist homogen, weil bekannt ist, aus welcher Legierung er stammt. Nachgebrauchsschrott — aus der Demontage von Maschinen, Anlagen, Fahrzeugen und aus dem Rückbau — ist gemischt und muss erkannt werden.
Diese Unterscheidung schlägt unmittelbar auf den Preis durch: Material mit bekannter, wiederkehrender Zusammensetzung ist mehr wert als dieselbe Masse als nicht identifizierte Mischung.
2. Klassifizierung und Prüfung
In der Niederlassung kommt das Material auf eine geeichte Waage und durchläuft die handelsübliche Erkennung: welches Metall, welche Sorte, welche Verunreinigungen. Bei nicht eindeutiger Legierung setzen wir ein Handspektrometer ein, das die tatsächliche Elementzusammensetzung liefert — der schnellste Weg, etwa Knetlegierungen von Gusslegierungen oder Messing von Bronze zu unterscheiden.
Diese Stufe entscheidet über die Bewertung. Wie sie in der Praxis abläuft, beschreiben wir im Beitrag dazu, wie die Schrottannahme in der Niederlassung abläuft.
3. Aufbereitung der Charge
Erkanntes Material geht in eine Charge derselben Sorte. Je nach Art bedeutet das Trennen von Fraktionen, Entfernen nichtmetallischer Bestandteile und mitunter Zuschnitt auf ein vom Abnehmer akzeptiertes Maß. Das Ziel ist immer dasselbe: Die Charge soll die Spezifikation des Hüttenwerks oder der Gießerei erfüllen, denn diese bestimmt, was in den Ofen darf.
4. Einschmelzen beim Abnehmer
Das aufbereitete Material geht an einen Abnehmer — ein Hüttenwerk, eine Gießerei oder einen Händler in Polen, Europa oder Fernost. Dort wird es geschmolzen und auf die von der Norm geforderte Zusammensetzung gebracht. Ein Teil des Materials geht dabei als Abbrand und Schlacke verloren; je mehr Verunreinigungen, desto größer der Verlust und desto weniger Metall je Tonne Einsatz.
5. Ein neues Erzeugnis
Aus dem eingeschmolzenen Metall entstehen Barren, Walzdraht, Profil oder Guss — und der Zyklus beginnt von vorn. Für den Lieferanten ist entscheidend, dass die Kette nicht beim Ankauf endet: Die Anforderungen des Abnehmers am Ende dieses Weges bestimmen letztlich den Preis an seinem Anfang.
Wo in dieser Kette der Wert entsteht
Der Preis, den ein Lieferant erhält, ist keine Funktion der Masse allein. Er setzt sich aus drei Elementen zusammen.
Die Börsennotierung ist der Referenzpunkt für reines Metall — nicht der Preis für das Material. Den Unterschied erklären wir im Beitrag dazu, wie sich LME-Notierungen auf den Ankaufspreis auswirken.
Die Sorte bestimmt, wie nahe das Material am Börsenrohstoff liegt. Bei Kupfer ist der Unterschied zwischen blankem Draht und gemischtem Material ein Klassenunterschied, keine Nuance — siehe Kupfersorten im Schrottankauf.
Die Ausbeute ist die Menge Metall, die nach Abzug der Verunreinigungen je Tonne tatsächlich übrig bleibt. Deshalb wird eine gemischte Charge nach der schwächsten Fraktion abgerechnet und nicht nach dem Durchschnitt — das vertiefen wir im Beitrag dazu, wie man Schrott vor dem Verkauf sortiert.
Recycling und die Formalitäten
Der Handel mit Schrott ist Handel mit Abfall, hat neben der kaufmännischen also auch eine Nachweisseite. Ein Unternehmen, das im Rahmen seiner Tätigkeit Abfälle erzeugt, unterliegt in Polen in der Regel der Registrierung und Aufzeichnungspflicht im BDO-System, und die Übergabe einer Charge kann eine Abfallübergabekarte erfordern. Der Umfang der Pflichten hängt vom Status des Lieferanten sowie von Art und Menge des Abfalls ab.
Wir beschreiben das Schritt für Schritt im Leitfaden zu BDO und KPO beim Schrottverkauf; Abfallschlüssel lassen sich im Katalog nachschlagen. Privatpersonen führen keine Abfallaufzeichnungen — für sie gilt ein eigener Weg.
Womit anfangen
Entsteht das Material bei Ihnen regelmäßig, bringt nicht das Sortieren vor der Anlieferung den größten Unterschied, sondern das Trennen der Ströme dort, wo der Abfall anfällt. Bei einer einmaligen Charge genügen Art des Materials und ungefähre Menge — die Erkennung übernehmen wir.
Sehen Sie, was wir ankaufen, prüfen Sie die Grundsätze der Preisbildung auf der Seite Ankaufspreise oder senden Sie direkt eine Materialanfrage.